Zwischen Pula und Rovinj liegt ein stilles Steinstädtchen inmitten von Olivenhainen, mit dem höchsten Glockenturm Istriens und einer Kirche voller Überraschungen.
Die meisten sehen Vodnjan nur von der Straße aus: eine lang gestreckte, niedrige Stadt auf einer sanften Anhöhe, aus der ein einziger, sehr hoher Glockenturm in den Himmel ragt. Meist ist man auf dem Weg anderswohin, nach Pula (Pola), nach Rovinj (Rovigno), an die Strände von Fažana. Es lohnt sich anzuhalten. Vodnjan, italienisch Dignano, gehört zu den lohnendsten Kleinstädten im Süden Istriens und liegt mitten in einem der schönsten Olivenanbaugebiete der Adria.
Dieser Führer zeigt, was Sie in der Altstadt sehen sollten, wie Sie das örtliche Olivenöl verkosten und wie sich Vodnjan in einen Tag im Süden der Halbinsel einfügt.
Wo liegt Vodnjan?
Vodnjan liegt einige Kilometer im Landesinneren, nördlich von Pula und südlich von Bale und Rovinj. Das Meer ist nah genug, um sein Licht zu spüren, doch die Landschaft ringsum besteht aus roter Erde, Trockensteinmauern und Reihe um Reihe von Olivenbäumen. Die Stadt blickt auf eine lange venezianische Geschichte zurück und ist bis heute zweisprachig: Die Straßenschilder sind kroatisch und italienisch, und in den Cafés am Platz hört man beide Sprachen.
Was Sie in der Altstadt sehen sollten
Beginnen Sie auf dem Hauptplatz, dem Narodni trg. Er ist weit, sonnig und gesäumt von Palästen, die die venezianische Vergangenheit der Stadt zur Schau stellen, darunter ein auffälliges rotes Gebäude im neugotisch-venezianischen Stil, das aussieht, als sei es vom Canal Grande herübergetrieben. Von hier aus führen schmale, mit hellem Stein gepflasterte Gassen in alle Richtungen. Viele Häuser sind aus demselben groben Kalkstein gebaut, mit schweren Holztüren, steinernen Fensterrahmen und kleinen Innenhöfen, die man durch offene Tore erspäht.
Die Altstadt ist überschaubar, und am besten erkundet man sie, indem man einfach umherschlendert. Achten Sie auf gemeißelte Wappen über den Eingängen, auf alte Balkone und Schornsteine und darauf, wie alle Gassen irgendwie zum Glockenturm zurückfinden. Bekannt geworden ist Vodnjan auch für farbenfrohe Wandmalereien an manchen Mauern, eine zeitgenössische Schicht auf sehr altem Stein.

Die Kirche St. Blasius und ihr Glockenturm
Die Pfarrkirche St. Blasius (Sveti Blaž) ist die größte Pfarrkirche Istriens, erbaut im späten 18. Jahrhundert in einem ruhigen, klassizistischen Stil nach venezianischen Vorbildern. Daneben steht der Glockenturm, der höchste Istriens, dem Campanile von San Marco in Venedig nachempfunden. An klaren Tagen ist er weit über die Ebene hinweg sichtbar und eine nützliche Orientierung, wenn Sie auf Nebenstraßen zwischen den Olivenhainen unterwegs sind.
Im Inneren birgt die Kirche eine große Sammlung sakraler Kunst. Bekannt ist sie jedoch vor allem für die erhaltenen Leiber von Heiligen, die hier aufbewahrt werden und oft als die Mumien von Vodnjan bezeichnet werden. Ihr bemerkenswerter Erhaltungszustand zieht seit Jahrzehnten Pilger und Neugierige an. Die Präsentation ist würdevoll und still; es ist in erster Linie eine Kirche, kleiden und verhalten Sie sich also entsprechend.
Vodnjan liegt mitten in einem der schönsten Olivenanbaugebiete der Adria.
Olivenöl: warum Vodnjan so wichtig ist
Rund um Vodnjan werden seit der Antike Oliven angebaut, und die Stadt ist bis heute eines der Zentren des istrischen Olivenöls. Viele Familien pflegen noch ihre eigenen Haine, und in der Gegend sind Erzeuger zu Hause, deren native Olivenöle extra weit über Kroatien hinaus bekannt sind. Istrisches Öl ist meist grün, frisch und pfeffrig, mit Noten von frisch geschnittenem Gras, Artischocke und Bittermandel, besonders wenn es jung ist.
Die beste Zeit für das Öl ist der Spätherbst, während der Ernte, wenn die Ölmühlen arbeiten und das neue Öl trüb, leuchtend grün und intensiv duftend ist. Außerhalb der Erntezeit empfangen viele Erzeuger Besucher nach Vereinbarung zur Verkostung. Eine gute Verkostung ist kurz und konzentriert: einige Öle nebeneinander, etwas Brot und eine Erklärung, wie Sorte, Erntezeitpunkt und Pressung den Geschmack prägen. Wenn Sie zuerst verstehen möchten, was Sie da schmecken, lesen Sie unseren Leitfaden zum istrischen Olivenöl.

Kažuni: die Steinhütten auf den Feldern
Die Landschaft um Vodnjan ist übersät mit Kažuni, runden Trockensteinhütten mit falschem Gewölbe aus Stein, ganz ohne Mörtel errichtet. Die Bauern nutzten sie als Schutz vor Sonne und Regen und als Lager für ihre Werkzeuge. Rund um Vodnjan stehen besonders viele davon, und ein Freilichtpark, der Kažun-Park, zeigt nahe der Stadt mehrere restaurierte Exemplare neben Trockensteinmauern. Ein kurzer, unkomplizierter Besuch, der gut verständlich macht, wie diese Landschaft von Hand bearbeitet wurde. Die Geschichte dahinter erzählt unser Beitrag über den Kažun.
Ein Tag in und um Vodnjan
Vodnjan eignet sich für einen halben Tag oder als Teil einer Rundfahrt durch den Süden. Ein entspannter Plan: morgens ein Kaffee auf dem Hauptplatz, ein Spaziergang durch die Altstadt und ein Besuch in St. Blasius, danach eine Olivenöl-Verkostung auf einem nahen Gut. Am Nachmittag fahren Sie hinunter an die Küste nach Fažana, zum Baden und zu einem Teller Fisch, oder weiter nach Pula, zum Amphitheater und zum abendlichen Bummel. Wer lieber im Landesinneren bleibt: Bale und Svetvinčenat sind beide nur eine kurze Fahrt entfernt.
Gut zu wissen
- Anreise. Vodnjan liegt eine kurze Fahrt nördlich von Pula, direkt an der Hauptstraße Richtung Rovinj und nahe der Istrischen Autobahn. Der Flughafen Pula ist schnell erreicht.
- Parken. Lassen Sie das Auto am Rand der Altstadt stehen; das Zentrum erkunden Sie am besten zu Fuß.
- Kirchenbesuch. Die Öffnungszeiten von St. Blasius und seinen Sammlungen ändern sich je nach Saison; erkundigen Sie sich vor Ort.
- Olivenöl-Verkostungen. Melden Sie sich bei den Erzeugern vorab an, besonders außerhalb der Sommermonate und während der Ernte, wenn alle viel zu tun haben.
- Beste Reisezeit. Frühling und Herbst sind ideal: mildes Wetter, grüne Haine und im Spätherbst das neue Öl.
- Öl kaufen. Achten Sie auf das Erntedatum auf der Flasche und lagern Sie das Öl vor Licht und Wärme geschützt.
Warum Vodnjan im Gedächtnis bleibt
Vodnjan ist nicht herausgeputzt. Manche Paläste warten auf ihre Restaurierung, manche Gassen sind selbst im August still, und gerade das macht seinen Reiz aus. Es wirkt wie eine lebendige Kleinstadt, die zufällig eine bemerkenswerte Kirche, einen schönen Platz und ringsum eine außergewöhnliche Landschaft besitzt. Kommen Sie wegen des Glockenturms, bleiben Sie wegen des Öls, und fahren Sie mit dem Gefühl weiter, einen Teil Istriens gesehen zu haben, an dem viele Besucher einfach vorbeifahren. Wer sich in den Ort verliebt, betrachtet die Steinhäuser in den umliegenden Dörfern bald mit anderen Augen.


