Oprtalj auf seinem Hügel, mit dem Glockenturm über den Häusern und darunter Zypressenreihen und grüne Hänge.

Istrien • 5 Min. Lesezeit

Oprtalj und Draguć: zwei stille Hügeldörfer in Innenistrien

Das Journal / Istrien

Eine venezianische Loggia über dem Mirna-Tal, Kapellen mit alten Fresken und ein Dorf, so fotogen, dass Filmteams immer wieder zurückkehren. Oprtalj und Draguć zeigen Innenistrien von seiner ruhigsten Seite.

Wer Innenistrien besucht, fährt nach Motovun und Grožnjan – und das aus gutem Grund. Doch über die Hügel verstreut liegen Dutzende kleinerer Dörfer, die nur einen Bruchteil der Besucher sehen und dieselben Steingassen, dieselben Ausblicke und weit mehr Stille bieten. Zu den lohnendsten gehören Oprtalj auf einem Kamm über dem Mirna-Tal und Draguć auf einem Hügel weiter östlich über dem Butoniga-Stausee. Keines der beiden braucht mehr als ein, zwei Stunden – und genau deshalb passen sie so gut zu einem gemächlichen Tag auf dem Land.

Oprtalj: ein Balkon über dem Mirna-Tal

Oprtalj (italienisch Portole) liegt hoch auf einem Kamm an der Nordseite des Mirna-Tals, gegenüber den bewaldeten Hängen um Motovun. Wie viele istrische Hügelstädte war es befestigt und stand jahrhundertelang unter venezianischer Herrschaft; sein kompakter Kern aus Steinhäusern, schmalen Gassen und kleinen Plätzen folgt noch immer dem Verlauf der alten Mauern. Manche Häuser stehen leer, eine Erinnerung an die Auswanderung, die im 20. Jahrhundert viele Dörfer im Landesinneren entvölkerte; andere wurden sorgfältig restauriert.

Am Ortseingang empfängt Sie zuerst die Loggia, eine offene Bogenhalle, in der sich einst das öffentliche Leben abspielte. Sie beherbergt eine kleine Sammlung gemeißelter Steine, darunter venezianische Löwen und alte Wappen. Von hier führt ein kurzer Weg zur Pfarrkirche St. Georg, deren freistehender Glockenturm über die Dächer ragt, und zu einer Terrasse mit weitem Blick über das Tal.

  • Die Loggia. Eine offene Bogenhalle am Ortseingang, in der alte gemeißelte Steine ausgestellt sind.
  • Die Kirche St. Georg. Die Pfarrkirche mit ihrem hohen Glockenturm und der Aussicht vom Platz.
  • Die kleinen Kirchen. Mehrere Kapellen in und um Oprtalj bergen mittelalterliche und Renaissance-Fresken. Sie sind oft verschlossen; fragen Sie vor Ort oder erkundigen Sie sich vorab nach den Öffnungszeiten.
  • Die Ausblicke. An klaren Tagen reicht das Panorama über das Mirna-Tal bis Motovun und zu den Hügeln Zentralistriens.

Unterhalb von Oprtalj, im Tal, liegt Livade, eines der bekanntesten Trüffelzentren Istriens, und ganz in der Nähe verläuft die Trasse der alten Parenzana-Bahn. Heute ist die frühere Strecke ein Rad- und Wanderweg, und der Abschnitt um Oprtalj gehört zu den landschaftlich schönsten. Siehe unseren Beitrag über die Parenzana.

Je kleiner das Dorf, desto lauter die Stille zur Mittagszeit.

Draguć: das Dorf der Fresken und Filmkulissen

Draguć besteht aus einer einzigen langen Gasse mit Steinhäusern entlang eines schmalen Kamms, mit Kirche und Glockenturm in der Mitte und grünen Hügeln, die zu beiden Seiten abfallen. Heute leben hier nur noch sehr wenige Menschen, doch das Dorf ist wunderbar erhalten, und seine unveränderten Gassen haben es zu einem beliebten Drehort für Film- und Fernsehproduktionen gemacht. Die Einheimischen nennen es halb im Scherz das Hollywood Istriens.

Draguć auf seinem Kamm: Steinhäuser mit Ziegeldächern, der spitze Glockenturm der Pfarrkirche und bewaldete Hügel, die sich in der Ferne verlieren.
Draguć auf seinem Kamm: Steinhäuser mit Ziegeldächern, der spitze Glockenturm der Pfarrkirche und bewaldete Hügel, die sich in der Ferne verlieren.

Der eigentliche Schatz von Draguć sind seine Fresken. Am Ortseingang steht die kleine Kapelle St. Rochus mit einer schlichten Vorhalle; im Inneren sind die Wände mit Heiligen und biblischen Szenen aus dem 16. Jahrhundert bemalt. Außerhalb des Dorfes, beim Friedhof, birgt die romanische Kirche St. Elisej noch ältere Wandmalereien. Zusammen bilden sie eine der schönsten kleinen Gruppen bemalter Kirchen in Istrien, in derselben Tradition wie die berühmten Fresken von Beram. Siehe unseren Beitrag über Beram.

Die Kapelle St. Rochus in Draguć: eine kleine weiße Kirche mit steinernem Glockengiebel und einer ziegelgedeckten Vorhalle auf Steinsäulen, an einem grasbewachsenen Hang.
Die Kapelle St. Rochus in Draguć: eine kleine weiße Kirche mit steinernem Glockengiebel und einer ziegelgedeckten Vorhalle auf Steinsäulen, an einem grasbewachsenen Hang.

Vom Rand des Dorfes blickt man weit über eine Landschaft bewaldeter Hügel und auf den Butoniga-Stausee im Tal. Am schönsten kommt man am späten Nachmittag an, wenn das Licht golden wird und der Stein zu leuchten beginnt.

Wie man beide verbindet

Oprtalj und Draguć liegen nicht direkt nebeneinander, doch beide passen problemlos in einen Fahrtag durch Innenistrien. Eine Möglichkeit: morgens in Oprtalj beginnen, zum Mittagessen ins Mirna-Tal hinunterfahren und über Motovun weiter nach Draguć, um dort das Abendlicht zu erleben. Eine andere: Draguć mit Buzet, Roč und Hum im Norden oder mit Pazin und Beram im Süden kombinieren.

Gut zu wissen

  • Anreise. Sie brauchen ein Auto oder ein Fahrrad. Die Straßen sind schmal und kurvig, planen Sie also mehr Zeit ein, als die Karte vermuten lässt.
  • Parken. Lassen Sie das Auto am Rand des jeweiligen Dorfes stehen und gehen Sie zu Fuß hinein; die Gassen sind eng und still.
  • Öffnungszeiten. Kleine Kirchen mit Fresken sind oft verschlossen. Fragen Sie im Dorf oder beim örtlichen Tourismusbüro, bevor Sie losfahren.
  • Essen. Nehmen Sie Wasser mit und planen Sie die Mahlzeiten im Tal oder in Nachbardörfern; das Angebot in Oprtalj und Draguć ist begrenzt, besonders außerhalb der Saison.
  • Beste Reisezeit. Frühling und Herbst, wenn die Hügel grün oder golden sind und die Luft klar ist.

Oprtalj und Draguć sind keine Ziele zum Abhaken. Sie sind Orte, um langsamer zu werden, dem Wind in den Zypressen zuzuhören und Wände zu betrachten, die vor fünfhundert Jahren bemalt wurden. In einer Region, deren bekannteste Orte im Sommer voll wirken können, erinnern sie daran, wie still Innenistrien noch immer sein kann.

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