Eine ummauerte Stadt aus wenigen Gassen, ein kupferbeschlagenes Tor, ein Bürgermeister, gewählt mit Kerben in einem Holzstab, und eine Straße steinerner Denkmäler für ein uraltes Alphabet. Hum an einem Tag.
Hum bezeichnet sich als kleinste Stadt der Welt, und wer innerhalb seiner Mauern steht, mag kaum widersprechen. Es gibt nur ein paar Gassen, einen Platz, zwei Kirchen, eine Loggia und eine Handvoll Steinhäuser, alles umschlossen von einem Mauerring auf einem Hügel im grünen Inneren Istriens, nahe Buzet. Die ständigen Einwohner zählt man in Dutzenden, nicht in Hunderten. Und doch war Hum immer eine Stadt und kein Dorf – mit eigenen Mauern, eigenem Tor und eigenem Bürgermeister –, und es nimmt diesen Status ernst.
Warum gilt Hum als Stadt?
Hum entstand im Mittelalter als befestigte Siedlung und bewahrte die Einrichtungen einer Stadt: Mauern, ein Tor, eine Loggia für öffentliche Angelegenheiten und eine Pfarrkirche. Einer Überlieferung zufolge wurde Hum aus den Steinen erbaut, die übrig blieben, nachdem die Riesen die Städte des Mirnatals errichtet hatten – deshalb sei es so klein geraten. Die Legende ist reizvoll, die wahre Geschichte aber im istrischen Binnenland vertraut: eine wehrhafte Gemeinschaft auf einem Hügel, die klein blieb und nie über ihre Mauern hinauswachsen musste.
Ein Brauch zeigt, wie ernst Hum sein Gemeinwesen nimmt. Jedes Jahr wählen die Bewohner einen Župan, einen Bürgermeister, und traditionell werden die Stimmen als Kerben in einen Holzstab geschnitzt, den sogenannten Rovaš. Auf die Wahl folgt ein Fest, und der Brauch gehört bis heute zu den eigentümlichsten Traditionen Istriens.
Sehenswertes in Hum
Man betritt die Stadt durch das Stadttor, dessen schwere, kupferbeschlagene Flügel dekorative Medaillons mit Kalendermotiven tragen und Griffe in Form von Ochsenhörnern. Drinnen ist alles so kompakt, dass man es in einer halben Stunde gesehen hat; der Reiz liegt im Langsamwerden.

- Die Pfarrkirche. Die Kirche Mariä Himmelfahrt stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert. Ihr viel älterer Glockenturm diente auch der Verteidigung.
- Die Kirche des Hl. Hieronymus. Eine kleine romanische Kirche am Friedhof, bekannt für ihre mittelalterlichen Wandmalereien und Inschriften in glagolitischer Schrift.
- Die Loggia. Hier wurden einst die öffentlichen Angelegenheiten der Stadt verhandelt, an der Hauptgasse.
- Mauern und Aussicht. Vom Rand der Stadt öffnet sich der Blick über bewaldete Hügel und das Tal darunter.
Was ist Biska?
Biska ist ein traditioneller istrischer Branntwein, aromatisiert mit weißer Mistel und Kräutern, und kein Ort ist so eng mit ihm verbunden wie Hum. Man trinkt ihn meist als kleines Glas vor oder nach dem Essen; er ist sanft bitter und duftet nach Kräutern. In der Stadt und den umliegenden Dörfern wird er häufig angeboten, oft zusammen mit anderen hausgemachten Bränden.
Hum war immer eine Stadt und kein Dorf – mit eigenen Mauern, eigenem Tor und eigenem Bürgermeister.
Die Allee der Glagoliten: von Roč nach Hum
Die Straße vom kleinen ummauerten Städtchen Roč nach Hum ist als Allee der Glagoliten (Aleja glagoljaša) bekannt. An ihr stehen elf Steindenkmäler, gewidmet der Glagoliza, dem ältesten slawischen Alphabet, und den Menschen, die es in Istrien und Kroatien über Jahrhunderte verwendet und bewahrt haben. Geschaffen wurden die Denkmäler vom Bildhauer Želimir Janeš in den späten 1970er- und den 1980er-Jahren; sie stehen entlang der Straße zwischen den beiden Orten in offener Landschaft.

Jedes Denkmal hat sein eigenes Thema. Dazu gehören die Säule des Čakavischen Konzils am Beginn der Strecke, der steinerne Tisch von Kyrill und Method zu Ehren der beiden Brüder, die mit der Entstehung des slawischen Alphabets verbunden sind, und der Sitz des Klemens von Ohrid, eines ihrer Schüler. Andere erinnern an die Istrische Grenzbeschreibung, ein bedeutendes mittelalterliches Dokument in glagolitischer Schrift, und an die kroatischen Protestanten des 16. Jahrhunderts. Das letzte Denkmal ist das Stadttor von Hum selbst.
Die Allee ist rund sieben Kilometer lang und lässt sich mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß erkunden. Zu Fuß oder mit dem Rad erschließt sie sich am besten: mit einem Halt an jedem Denkmal und Zeit für die stille Landschaft dazwischen.
So planen Sie Ihren Besuch
- Anreise. Hum liegt im Norden des istrischen Binnenlands, nahe Buzet und Roč. Am einfachsten ist das Auto; öffentliche Verkehrsmittel gibt es in der Gegend nur wenige.
- Parken. Lassen Sie das Auto vor den Mauern stehen. In der Stadt selbst ist man ausschließlich zu Fuß unterwegs.
- Zeit. Für Hum allein genügt eine Stunde. Für die Allee der Glagoliten und einen Abstecher nach Roč kommen ein paar Stunden hinzu.
- Jahreszeit. Frühling und Herbst sind ideal. Im Herbst lässt sich der Besuch mit der Trüffelsaison rund um Buzet verbinden.
- Essen. Hum ist klein – erkundigen Sie sich vorab, ob Lokale geöffnet haben, besonders außerhalb der Saison.
Gut zu kombinieren mit
Hum fügt sich mühelos in einen Tag im istrischen Binnenland. Roč mit seinen eigenen Mauern und seinem glagolitischen Erbe ist der natürliche Ausgangspunkt. Buzet auf seinem Hügel ist das Zentrum des Trüffellands. Weiter südlich setzen die Fresken von Beram bei Pazin mit ihrem berühmten Totentanz die Geschichte der mittelalterlichen Kunst im Landesinneren fort; siehe Beram und der Totentanz. Halten Sie unterwegs Ausschau nach Aussichtspunkten über die grünen Hügel – sie gehören zu den schönsten der Halbinsel.
Hum ist kein Ort zum Abhaken. Es ist ein Ort, an dem man versteht, wie das istrische Binnenland seit jeher lebt: auf einem Hügel, hinter einer Mauer, mit eigenen Regeln und eigenem Gedächtnis. Stehen Sie am Tor, wenn der Abend hereinbricht, und die Stille rund um die Stadt erzählt Ihnen den Rest.


